Spielplan

Angela Steidele

Eine erotische Biographie

Veranstaltung der Reihe "Starke Frauen"

Frauenheld, Schwerenöter oder Heiratsschwindler, Lüstling, Wüstling oder einfach nur Schuft: Frauen pflasterten ihren Weg. Anne Lister betete sie an, begehrte, belog und betrog sie, ging ihnen an die Wäsche und ans Geld. Ihr lustvolles Lieben und Leben im vermeintlich prüden und präviktorianischen England vertraute sie einem geheimschriftlichen Tagebuch an, dessen ganz und gar unkeusche Einträge Angela Steidele zu dieser überraschend sinnlichen Biografie verführten. Einhundert Jahre lang wusste nur eine Handvoll Archivare, was Anne Lister in Geheimschrift in ihren Tagebüchern festgehalten hatte. Erst die Frauen- und Lesbenbewegung der 1970er und 1980er Jahre bereitete den Boden für Editionen der Tagebücher. Diese widerlegten das damalige Konzept der keuschen „romantischen Frauenfreundschaft“. Nie waren Frauen so prüde, enthaltsam, im Zweifelsfall aber heterosexuell, wie männliche Theoretiker der Weiblichkeit sie im 19.Jahrhundert beschrieben.

Der Internationale Tag gegen Homophobie, Transphobie und Biphobie (abgekürzt aus dem englischen mit IDAHO) wird seit 2005 jährlich am 17.Mai begangen, um auf die Diskriminierung und Bestrafung von Menschen hinzuweisen, die in ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität von der Heteronormativität abweichen. Aktuell hat sich für diese Gruppierung auch der Begriff „queer“ durchgesetzt. Schon 1825 benutzte Anne Lister in ihren Tagebüchern das Wort „queer“ als Bezeichnung für die weiblichen Genitalien. Sie scheint das alte obszöne „quim“ oder „queme“ verballhornt zu haben. Dessen deutsche Entsprechung sind vergleichbar alte und drastische Ausdrücke für das weibliche Genital. Das Adjektiv „queer“ bedeutete zu Anne Listers Zeit eigentlich „seltsam“, „komisch“, „falsch“. Sie selbst benutzte das Wort häufig auch in diesem Sinne. Ihre Tante nannte Anne einmal „you are a queere one“. Sie konnten nicht ahnen, dass ausgerechnet Anne Listers heimlicher Ausdruck für das Zentrum der weiblichen Lust im späten 20.Jahrhundert zum Oberbegriff für Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transidente wurde. Wir wollen den 17.Mai in diesem Jahr mit der Erinnerung an Anne Lister und ihre unerhörten Tagebücher begehen. „Die Frauen mögen mich und haben mich immer gemocht und keine hat mich je abgewiesen“ (Anne Lister 1816)

Der Eintritt kostet 8 Euro, Karten gibt es nur an der Abendkasse.

Details

Donnerstag
17.05.2018 / 19:00 Uhr
Raum
Das Wormser - Liebfrauen- und Burgundersaal
 

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